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50 Jahre Kosmodrom Baikonur

 

(hei) Das Kosmodrom in Baikonur ist am 2. Juni 2005 50 Jahre alt geworden. „In der Sowjetunion gehen die Raketen wie die Würstchen vom Fließband" hatte Nikita Chruschtschow in den sechziger Jahren geprahlt. Heute, mehr als 40 Jahre danach, scheint sich seine Aussage bewahrheitet zu haben. Vom Weltraumbahnhof Baikonur wird tatsächlich Sojus um Sojus gestartet - Forschungssatelliten, Versorgungsflüge zur ISS und in zunehmendem Maße kommerzielle Sputniks, nicht selten vom ehemaligen Klassenfeind USA. Wenn sich auch Weltraumbahnhöfe rund um den Globus inzwischen Konkurrenz machen, so bleibt das Herz der sowjetischen Raumfahrt doch mit seinen 6750 Quadratkilometern Ausdehnung unangefochten Weltspitze. Hier wurde Raumfahrtgeschichte geschrieben. Die Sowjetunion startete im Kosmodrom ihre erste Interkontinentalrakete, gefolgt vom ersten künstlichen Erdtrabanten Sputnik und mit Jury Gagarin dem ersten Menschen im Orbit. Als der sowjetische Kampfpilot am 12. April 1961 in Baikonur startete, jubelte die sozialistische Welt - der Westen mit Führungsmacht USA schäumte vor Wut und trat in ein Weltraum-Wettrennen ein, an dessen Ende die Apollolandung auf dem Mond stand. Zuvor war man in Washington noch nervös geworden, denn drei Tage vor dem Start von Apollo 11 hatte in Baikonur eine Rakete abgehoben, die sich ebenfalls auf den Weg zum Mond machte. Allerdings wurde mit ihr „nur" der Roboter Luna 15 gestartet, der Mondgestein einsammeln sollte.

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Baikonur war lange falsch auf der Karte eingezeichnet, Foto: Roskosmos

Trotz beeindruckender Zahlen - 70% der russischen Raumunternehmungen starten hier - täuscht dies nicht über Probleme hinweg. Die meisten der 15 Startrampen rosten vor sich hin, es fehlt an Geld zur Instantsetzung. Die Militärsiedlung, geplant für mehrere tausend Soldaten, gleicht einer ruinösen Geisterstadt. Erst im Mai 2002 kamen acht Arbeiter ums Leben, als das Dach einer 70 Meter hohen Halle einstürzte.

Anfang 1955 hatte man auf Beschluss des Obersten Sowjets mit dem Bau des Forschungs- und Testgeländes Nr. 5 in der Nähe der Bahnstation Tjura-Tam begonnen. Der tatsächliche Ort Baikonur in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan war bis zum Ende der Sowjetunion so geheim, dass Landkarten ihn um 380 Kilometer nach Westen versetzt aufzeigten. Am 2. Juni des Jahres 1955 legten die Streitkräfte einen ausgearbeiteten Plan vor, seitdem ist dieser Tag der offizielle Geburtstag des Kosmodroms. Bis heute spielt hier das Militär eine große Rolle. Am Rande der Feierlichkeiten sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow in Hinblick auf US-amerikanische Weltraum-Rüstungspläne: „Die Führung des russischen Staates und des Verteidigungsministeriums schenkte unter allen Waffengattungen und Teilstreitkräften Russlands den kosmischen Truppen ständig erhöhte Aufmerksamkeit. Ich will die Priorität und die Langfristigkeit unseres Handelns bekräftigen".

Doch Baikonur ist auch gut für Anekdoten. Gagarin soll vor seinem Flug so aufgeregt gewesen sein, dass er in einen Busreifen an der Startrampe pinkelte. Bis heute pflegen russische Kosmonauten seinem Beispiel zu folgen, angeblich soll das eine sichere Rückkehr garantieren. Auch die skurile sowjetische Angewohnheit, Berge nach Ereignissen oder Personen zu benennen, setzte sich fort. Zum 50. Jahrestag wurde einer bislang namenlosen Bergspitze des nördlichen Tien-Schan der Name Pik 50 Baikonur verliehen. Während der Ausgangspunkt vieler sowjetischer und russischer Weltraummissionen am 2. Juni Geburtstag feiert, nahm eine Bergsteigertruppe bereits am 22. Mai die Namensgebung feierlich vor. Auf die Idee kam die Föderation für Sporttourismus der Stadt Baikonur. Zu den Bergsteigern, die den 3867 Meter hohen Gipfel erkletterten, gehörten 15 Einwohner Baikonurs, in ihrer Mehrheit Offiziere der Russischen Weltraumtruppen.

Die Feierlichkeiten, an denen der russische Präsident Wladimir Putin und sein kasachischer Kollege Nursultan Nasarbajew teilnahmen, wurden voller Stolz auf Geleistetes abgehalten. Kritische Beobachter vermissten Hinweise, dass in Baikonur nicht alles immer glatt verlief. Am 24. Oktober 1960 kamen zwischen 100 und 200 Menschen bei einer Raketenexplosion ums Leben, drei Jahre später forderte ein ähnliches Unglück acht Menschenleben (02-06-05).

Der Beitrag erschien in NaSchw 96, 2005/06 zum 50. Jahrestag des sowjetischen Weltraumbahnhofs.

 

 

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