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„BayernViewer-Denkmal“

Eine Internet-Einladung an Raubgräber

 

(12-05-08) Zwar standen im Mittelpunkt des 27. Niederbayerischen Archäologentages in Deggendorf neolithische Bestattungsriten, doch wurde der Streit um das Internetportal BayernViewer rasch zum Aufhänger auch der außerarchäologischen Berichterstattung.

In dem frei zugänglichen Informationssystem ist die geographische Lage von rund 70.000 Bodendenkmälern auf bayerischem Boden verzeichnet. Anliegen des als Initiator fungierenden Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) ist vor allem eine bessere Planung von Bautätigkeiten unter der Berücksichtigung von bekannten Bodendenkmälern. Notwendige Rettungsgrabungen oder größer angelegte Kampagnen könnten besser koordiniert und mit den Bauherren abgestimmt werden. „Früher stand den Planern nur Gedrucktes zur Verfügung, und das war sehr schnell veraltet“ begründet Walter Irlinger vom BLfD die Initiative laut Archaeologie-Online.

Die Präsentation im Internet erhöhe zudem die Sensibilität der Bevölkerung für archäologische Themen, sie sei ein Medium, „um die Denkmäler auch für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen“.

Doch diese Öffentlichkeitsarbeit birgt nicht nur Chancen. Kritiker des Projektes sehen hier eine Einladung an alle Form von Raubgräbern. Illegale Kunsthändler, Trophäensammler und wünschelrutenverliebte Esoteriker könnten die Daten von BayernViewer als gigantischen Supermarkt ansehen. Es muss hier nicht betont werden, dass durch unachtsam arbeitende und nur auf die Fundbergung konzentrierte Hobby-“Archäologen“ seit je her mehr zerstört wurde als Kenntnisse im historischen Sinne gewonnen werden konnten. Nachdem Grabgräber gewütet haben ist so manches Bodendenkmal für die Forschung verloren. Da wirkt die Begrüßungsseite von BayernViewer auch eher unfreiwillig komisch. In einem „ich stimme zu-oder-auch-nicht“ Ankreuzverfahren wird der Besucher aufgefordert, sich doch bitte, bitte an die in diesem Land herrschenden Bodendenkmalgesetze zu halten.

Zwar verweist Irlinger zu Recht darauf, dass es Raubgrabungen schon lange vor dem WWW gegeben hat. „Früher war's aufwändiger, an die Informationen sind sie trotzdem rangekommen“ argumentiert er und liefert zugleich auch das Hauptargument für die Skeptiker am Portal. Es fordert schon eine gewisse Geduld und zumindest im Ansatz archäologisches Grundwissen, um sich durch die zahlreich publizierten Grabungsberichte in der Fachpresse gezielt hindurchzufinden. Anstatt stundenlang in der Bibliothek einer archäologischen Forschungseinrichtung zu verbringen genügt nun der Mausklick vom Wohnzimmer aus. Und das alte Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ gilt auch für Raubgräber. Sicherlich hat die professionelle Raubgräberei im Verbund mit dem illegalen Antiquitätenhandel noch nie Mittel und Wege gescheut, um ans Ziel zu kommen. Doch durch die allzu große Öffentlichkeit öffnet sich nun das Tor für einen „Trophäentourismus“ an relevante Orte nach dem Motto: „Lasst uns doch nach dem Sonntagskaffee noch ein paar Scherben suchen gehen“. Für den hyperaktiven Nachwuchs der Generation Doof sicherlich interessanter als Steinesammeln am Isarstrand.

Für eine funktionierende Archäologie eine Horrorvorstellung...

 

 

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