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Die ESA wird dreißig

 

(hei) Zum 30. Jahrestag der Unterzeichnung der ESA-Charta besuchte Gerhard Schröder das Kontrollzentrum in Darmstadt, wer einen Wahlkampfauftakt befürchtete, wartete vergebens. Der Bundeskanzler wurde auf seinem Rundgang von ESA-Generaldirektor Jean-Jaques Dordain begleitet, der ihn durch das Kontrollzentrum und die Anlagen zur Satellitensteuerung begleitete. Dabei wurden die Cassini-Huygens-Mission ebenso erläutert, wie Mars-Express oder der Erdbeobachtungssatellit Envisad. Auch die anstehende Cryosat-Mission zur Messung und Beobachtung der kontinentalen und ozeanischen Eisdecke kam zur Sprache.

Anwesend waren auch hochkarätige Vertreter von Arianespace, Alcate Space, Kayser-Threde, Vega, Fraport und T-Online. Im Hauptkontrollraum wurde den Besuchern eine Simulation der Entfaltung der MARSIS-Antenne an Bord von Mars Express vorgeführt, Schröder durfte an einigen Knöpfen spielen und erhielt dafür den Ehrentitel „Satellitenkontrolleur".

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Satellitenkontrolleur ehrenhalber: Bundeskanzler Schröder, Foto: ESA

Auf einer anschließenden Rede betonte der Kanzler die weltweite Rolle der ESA. „Komplexe ESA-Systeme wie Envisat, für die Erdbeobachtung, oder das zukünftige Satellitennavigationssystem Galileo zeigen deutlich, dass Europa weltweit eine technologische Führungsrolle übernehmen kann und will", sagte der Kanzler und fügte hinzu, „Darauf bin auch ich stolz".

ESA-Chef Dordain ließ es an Lob für die europäische Weltraumagentur nicht mangeln. „30 Jahre ESA stehen für 30 Jahre Erfolg. Jeder einzelne Europäer profitiert heute vom Weltraum, über weite Telekommunikation, Wettervorhersage, Klimaforschung und langfristige Grundlagenforschungen." Er hob hervor: „Wir sind die einzige Raumfahrtagentur, die gleichzeitig um die Erde, den Mars, den Mond - und zu Kometen fliegt".

Dabei sah es zu Beginn der erste europäischen Schritte in Sachen Weltraumfahrt gar nicht nach Erfolg aus. Es existierten zwei zwischenstaatliche Organisationen, die ESRO widmete sich der Entwicklung und dem Bau wissenschaftlicher Satelliten und die ELDO entwickelte Trägerraketen. Kompetenzgerangel war an der Tagesordnung. Die ESRO-Konvention untersagte zunächst die Entwicklung von Anwendungssatelliten, war sie doch rein wissenschaftlich ausgerichtet. Erst 1972 änderte sich dies. Das Wissenschaftsprogramm blieb Pflicht für die damaligen Mitgliedsländer, finanziert wurde es durch einen nach dem Bruttosozialprodukt angemessenen Beitrag.

Die erste europäische Trägerrakete mit Namen EUROPA-1 wurde ein Flop, ebenso, wie der erste europäische Weltraumbahnhof bei Woomera in Australien ein eher stiefmütterliches Dasein fristete. Der Wechsel nach Kourou bot zwar durch die Äquatornähe einen günstigeren Winkel für den Start in geostationäre Umlaubahnen, doch die inzwischen entwickelte Rakete EUROPA II folgte ihrer Vorgängerin. Der einzige Start am 5. November 1971 misslang, die Entwicklung von EUROPA III erst gar nicht fortgesetzt. Ende Juli 1973 erfolgten auf einer Ministerratskonferenz in Brüssel weit reichende Beschlüsse. Die Trägerrakete unter dem Arbeitsnamen L3S sollte entwickelt werden. Mit der Umsetzung wurde eine neue Weltraumbehörde betraut. ESRO und ELDO wurden zusammengeschlossen und am 31. Mai 1975 nahm die neue Weltraumorganisation ESA ihre Arbeit auf. Zehn Staaten waren von Anfang an dabei: Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Schweden, die Schweiz und Schweden. Es folgte noch im gleichen Jahr Irland, später stießen Österreich, Norwegen, Finnland, Portugal und Griechenland hinzu, Luxemburg soll Ende 2005 folgen. Im Rahmen von Kooperationsverträgen sind auch Kanada, Ungarn und Tschechien assoziiert, gemeinsame Projekte mit NASA und der russischen ROSKOSMOS stehen längst auf der Tagesordnung.

Aus L3S wurde Ariane 1, die am Weihnachtsabend 1979 einen Bilderbuchstart hinlegte. Am Ende eines Entwicklungsprogrammes standen Ariane 2 und 3, die als erste konventionelle Trägerraketen zwei Nutzlasten gleichzeitig transportieren konnten. Nachfolgerin Ariane 4 entwickelte sich zu einer der zuverlässigsten und dabei wirtschaftlich erfolgreichsten Trägerraketen der Welt. Zwischen 1988 und 2003 transportierte dieser Typ mehr als 180 Satelliten in den Orbit. Mit Ariane 5 ECA hatte es zunächst Probleme gegeben. Im Dezember 2002 musste eine vom Kurs abgekommene Rakete gesprengt werden, mit den Kosten für Fehlersuche und Nachbesserungen kostete das Projekt den europäischen Steuerzahler gut 1,7 Milliarden Euro. Als der zweite Startversuch am 13. Februar 2005 erfolgreich verlief, war man bei der ESA doppelt erfreut. Zum einen besitzt Europa nun ein Trägersystem auch für schwere Nutzlast und zum zweiten war kurz zuvor, im Dezember 2004, die US-amerikanische Konkurrenz mit Delta 4 Heavy zwar aufgestiegen, hatte jedoch Probleme mit dem Haupttriebwerk und konnte ihre Nutzlast nicht in den avisierten Orbit transportieren.

So hat man bei der ESA allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Ariane-Raketen sind führend beim kommerziellen Start für Telekom-Satelliten, deren Entwicklung zu einem milliardenschweren Wirtschaftsfaktor in Europa geworden ist. Auch in Sachen Umweltschutz ist die ESA Vorreiter. Bereits die Systeme ERS-1 und 2 waren erfolgreiche Erderkundungsprogramme, Envisat gilt mit seinen zehn verschiedenen Überwachungssystemen als der weltweit größte und anspruchsvollste Umweltsatellit. Im Rahmen des Programmes Living Planet ist geplant, globale Umweltveränderungen auch in Zukunft im Auge zu behalten (03-06-05)

Erschienen in NaSchw 96, 2005/06

 

 

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