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Römische Staatspropaganda

Zur Glaubwürdigkeit astronomischer Sichtungsmeldungen

 

 

Astronomische Ereignisse in der Antike hat es zahlreich gegeben. Ebenso mannigfaltig sind die Überlieferungen, die von Vorgängen wie Sonnen- oder Mondfinsternissen, Kometendurchgängen, Meteoritenschauern und anderen außergewöhnlichen oder gewöhnlichen Himmelserscheinungen berichten. Dabei ist zunächst unerheblich, ob in der berichtenden Quelle nur der Vorgang als Solcher beschrieben wird (Motto: „Es gibt sie“), oder aber eine Interpretation mitgeliefert wird.

In erster Linie stammen diese Überlieferungen aus literarischen und mehr oder weniger zeitgenössischen Quellen. Doch bereits hier ist Vorsicht geboten, denn häufig findet die Niederschrift über ein astronomisches Ereignis Jahre, im ungünstigsten Falle gar Jahrhunderte später statt. Das ist beispielsweise der Fall bei Beschreibungen von Historikern, sei es nun Livius oder Cassius Dio. Auch die neutestamentarische Beschreibung des „Sternes“ von Bethlehem, die uns weiter unten noch beschäftigen wird, ist mehrere Jahrzehnte jünger als das angebliche Ereignis selbst.

Mit Fragen nach ihrer Authentizität sind auch die archäologischen Quellen behaftet, die auf ein Himmelsereignis hinweisen könnten. Häufig stellt sich die Frage nach einer möglichen Überinterpretation, der Frage etwa, ob ein dargestellter Stern auch einen Stern im astrophysikalischen Sinne beschreibt, oder nur ein schmückendes Beiwerk ist, das ausschließlich kunsthistorisch zu verstehen ist.

Bei den folgenden Betrachtungen wird häufig der Begriff der staatlichen Propaganda verwendet. Propaganda will hier verstanden werden als die Beeinflussung der Meinung von Gruppen oder einzelnen Personen mit Hilfe von Medien.

In der römischen Antike können als „Medien“ im Sinne von informationsübertragenden Mitteln in der Abfolge ihrer Gewichtung genannt werden:

          - Münzen

          - Baudenkmäler

          - Schriften

Dabei ist anzumerken, dass sich die Genannten in Verbreitung und Zielgruppe stark voneinander unterscheiden.

Vor allem die römischen Münzen sind in dieser Hinsicht vorrangig zu nennen. Ihr hoher Verbreitungsgrad auch über die Grenzen des Imperiums hinaus ist unbestritten. Zudem erreichten sie alle Bevölkerungsschichten des damaligen Vielvölkerstaates und auch den recht hohen Bevölkerungsanteil der Analphabeten. Im Gegensatz zu heute waren römische Münzen wesentlich mehr als ein reines Zahlungsmittel mit volkswirtschaftlicher Bedeutung. In der Kaiserzeit zeigten sie auf der einen („Vorder“)-Seite das Bild des Regenten, auf dem Revers wurde eine Botschaft vermittelt. Der Imperator verbreitete sein Regierungsprogramm, berichtete über Bautätigkeiten oder informierte über die Eroberung neuer Provinzen für das Reich.

Gerade Letzteres war ein beliebter Anlass, die Information in Form von Baudenkmälern wieder zu geben. Der Nachteil liegt auf der Hand: Ein Triumphbogen ist weniger beweglich als eine Münze und folglich war nur die vor Ort ansässige Bevölkerung auch die Zielgruppe der Information.

So wendete sich der 81 uZ errichtete Titusbogen auf dem Forum Romanum ausschließlich an die stadtrömische Bevölkerung, die auch Zeuge des dargestellten Triumphzuges inklusive Vorführung der geraubten jüdischen Schätze aus dem 70 uZ zerstörten Jerusalemer Tempel war. Die „IUDAEA CAPTA“ Münzen hingegen berichteten auch bis in die letzten Winkel des Reiches vom errungenen Sieg.

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Kaiser Titus hatte als junger Mann im Auftrag seines Vorgängers Vespasian Jerusalem zerstört. Vermutlich erst nach Titus’ Tod 81 uZ ließ Bruder und Nachfolger Domitian das Ehrenmonument errichten (Bildquelle: Wikimedia).

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IUDAEA CAPTA, ein Denar des Vespasian, der bereits 70 uZ vom Sieg über Judäa berichtet. Links das Kaiserporträt, rechts eine sitzende Gefangene neben dem Tropaion, einem gängigen Siegesmal mit erbeuteten Waffen (Bildquelle: Ritter-EROM9117).

Die Schriften schließlich erreichten wohl nur einen geringen Teil der Bevölkerung. Dabei musste die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bevölkerungsschicht nicht unbedingt ausschlaggebend sein. Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne von „klugen Sklaven und dummen Reichen“ und verweise auf das satirische Meisterwerk „Gastmahl bei Trimalchio“ des Petronius. Die darin beschriebene Halbbildung des Gastgebers ist legendär und braucht den Vergleich zur Moderne nicht zu scheuen. Eine nicht unerhebliche Zahl von (zumeist griechischen) Schriftgelehrten fristete ihr Dasein als Hauslehrer reicher Römer und hatten gleichzeitig den Status von Sklaven.

Schriftliche Propaganda war entsprechend selten. Zu nennen wären in jedem Falle der „gallische Krieg“ Cäsars und die „Res Gestae Divi Augusti“, eine Art „Autobiographie“ des Augustus. Vom Herrscher offenbar selber verfasst wurden die Originale auf zwei Stelen vor dem Augustus-Mausoleum in Rom auf sein testamentarisches Geheiß hin im Jahr 14 uZ errichtet. Kopien gab es in vielen größeren Städten des Imperiums, bis in die Moderne erhalten sind nur wenige, darunter eine lateinisch-griechische Version am Tempel des Augustus und der Roma im türkischen Ancyra, dem heutigen Ankara.

Es ist wichtig anzumerken, dass es ein „Kaiserreich“ de jure unter Augustus und seinen Nachfolgern nicht gab. Die Republik existierte auf dem Papier weiter und der Caesar Augustus bekleidete immer auch das republikanischen Amt des Konsuls. Als (theoretisch gleichberechtigter) zweiter Konsul amtierte entweder ein Getreuer des faktischen Alleinherrschers oder gleich sein designierter Nachfolger.

Infolge der vielfach in der Forschung beschriebenen augusteischen Herrscherpropaganda lief vor allem die Münzpropaganda zu Hochtouren auf, als Julius Cäsar 44 vuZ ermordet wurde. Ein astronomischer Zufall kam dabei nur zu gelegen. Verschiedenen Autoren zufolge erschien während der Leichenfeiern für den Gemeuchelten über dem Himmel von Rom ein heller Komet. Die astronomische Zuordnung ist eindeutig und da Kometen - im Gegensatz zu hellen Boliden etwa - kein lokales Ereignis darstellen, kann er durch korrespondierende Beobachtungen aus dem alten China bestätigt werden. Die Bedeutung des in der Forschung als Sidus Iulium bekannten Kometen fasste am besten Plinius zusammen: „In seinem Inneren war er (Augustus) mit Freude davon überzeugt, dass der Stern für ihn aufgegangen sei, und dass er mit ihm aufgehe … zum Heile der Welt“ (naturalis historia 2,94).

Es wurde verbreitet, dass die Himmelserscheinung Beweis für die Göttlichkeit des Julius Cäsar sei, „Divus Julius“ wurde auf zahlreichen posthumen Porträts fortan mit einem (Schweif-) Stern dargestellt. Interessanterweise findet hier eine Positivierung der Bedeutung von Kometensichtungen statt. Waren sie zuvor - und häufig auch später - Vorboten großer Unglücke, ist der Komet von 44 vuZ ein Zeichen der Göttlichkeit und Hinweis auf die Divinisierung.

 

Augustus Denar Caesaraugusta 19-18 vuZ mit SJ (Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Auktion 136)

Ein Denarius aus Caesaraugusta (Zaragoza) bezeichnet im Jahr 19 vuZ Octavian bereits als Augustus. Der Schweif des Kometen ist deutlich erkennbar (Bildquelle: Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Auktion 136).

Selbstverständlich fiel der Ruhm des nunmehr göttlichen Stiefvaters auf Octavian zurück. In der Propaganda trägt er den zusätzlichen Titel eines „Divi Filius“, also Sohn des Göttlichen (Cäsar). Wir finden diese offizielle Bezeichnung sowohl auf Münzen, als auch auf Bauinschriften, so etwa der Basis des Gnomons der „Sonnenuhr des Augustus“. Der als Schattenwerfer benutzte ägyptische Obelisk befindet sich heute wenige Meter vom tatsächlich Standort entfernt auf der Piazza di Monte Citorio vor dem italienischen Parlament.

Um die Senats-Erscheinung der Vergottung des ehemaligen „Diktators auf Lebenszeit“ zu untermauern, wurde auf dem Forum Romanum zusätzlich ein Tempel errichtet und konsequenterweise diese Bautätigkeit via „Medium Münze“ im gesamten Imperium verbreitet.

Rom Tempel des Divus Iulius (wkipedia)

Überreste des Divus-Iulius-Tempels auf dem Forum Romanum (Bildquelle: Wikimedia)

Rom Tempel des Divus Iulius Rekonstruktion (hellenica.de)

Eine im Detail ungenaue Rekonstruktion des Heiligtums für den Göttlichen Cäsar: Es fehlt z.B. der durch Plinius erwähnte Komet im Giebel (Bilduelle: hellenica.de)

Augustus Denar 36 vuZ italisch mit Divus Iuius Tempel (Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Auktion 133)

Diese Darstellung des Tempels ließ Octavian 36 vuZ auf einen Denar prägen (Bildquelle: Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Auktion 133)

Um die Nachfolge Cäsars entbrannte ein neuer Bürgerkrieg. Zunächst wurden die Mörder, die bekannterweise die alte Republik wieder herstellen wollten, durch Octavian und den Cäsargetreuen Marcus Antonius verfolgt und auch besiegt.

Danach fielen die ehemaligen Verbündeten über einander her. Und beide sahen im Kometen das Zeichen ihrer Legitimität und verwendeten ihn folglich in ihrer Propaganda. Pech für Marcus Antonius, die Schiffe, die der Stern des Julius Cäsar zum Sieg leiten leitet sollte, wurden vor Actium im Jahre 31 vuZ versenkt.

Ironie der Geschichte: Die Kontrahenten Octavian und Marcus Antonius benutzten den cäsarischen Stern, um ihren Anspruch zu untermauern. Die Militärprägung entstand 40 vuZ (Bildquelle: UPS Auction 78 vom 09.09.2008)

Augustus von Prima Porta (VatMus)
Marcus Antonius Denarius Militärprägung 40 vuZ (UPS Auction 78 (09.09.2008))

Octavian war nunmehr Alleinherrscher über das Riesenreich. Sein Regierungsprogramm lässt sich kurz und prägnant als die „Pax Romana“, der „römische Frieden“ bezeichnen. Octavian, nunmehr vom Senat mit dem Ehrentitel „Augustus“, d.h. „der Erhabene“ versehen, war weit mehr als nur der erste Mann im Staate. Durch seine göttliche Abstammung umgab ihn bereits zu Lebzeiten die Aura des Göttlichen. Die Propaganda tat alles, um ihn als Erlöser und Friedensbringer darzustellen, Aspekte, die wir auch im zeitgleich sich entwickelnden frühen Christentum in Form der messianischen Funktion Jesu Christi wieder finden. Und in der Tat hatte Augustus durchaus gute Argumente, für sich die Ehre, als Friedensstifter gesehen zu werden, zu beanspruchen. Mit seiner Regentschaft endeten annähernd einhundert Jahre Bürgerkrieg.

Die zwei Meter hohe Statue des Augustus von Prima Porta erinnert nicht zufällig an spätere Erlöser-Darstellungen im Christentum. Das bronzene Original des marmorenen Standbildes hatte seinen Platz im römischen Senatsgebäude (Bildquelle: VatMus)

Beginnend mit dem Konflikt zwischen Marius und Sulla zu Beginn des ersten Jahrhunderts vuZ, über die Auseinandersetzungen zwischen Cäsar und Pompeius bis zum Machtkampf zwischen Augustus und seinem Widersacher Marcus Antonius - Generationen von Römern kannten nur den Krieg, der sich nicht nur auf die Hauptstadt konzentrierte. Freilich ist anzumerken, dass sich die „Pax Romana“ nur innenpolitisch auswirkte. An den äußeren Grenzen ging die Expansion weiter, wenn auch nach der Katastrophe der Varus-Schlacht im Jahr 9 uZ mit weniger Elan.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass dieser - letztendlich in heutigen Geschichtsbüchern noch immer anzutreffende - Mythos des „Friedensbringers Augustus“ und der „guten alten Zeit“ durch die direkten Nachfolger des julisch/claudischen Kaiserhauses gepflegt wurde. Das Symbol des Sidus Iulium als Zeichen für die Göttlichkeit des Kaisers und die (innenpolitische) Friedfertigkeit und Stabilität seiner Regierung findet sich immer wieder. Interessanterweise in sehr zurückhaltender Weise beim direkten Nachfolger Tiberius, wobei die Gründe wohl eher im persönlichen Verhältnis des neuen Kaisers zu seinem Vorgänger zu suchen sind. Menschlich nachvollziehbar versuchte er, sich von Augustus abzuheben. Allerdings ließ auch Tiberius seinen Vorgänger zum Gott erklären, zum „Divus Augustus“, als deutliches Zeichen in der Münzpropaganda trugen fortan posthume Porträts des ersten römischen Kaisers den Stern, der zuvor nur Julius Cäsar vorbehalten war.

Tiberius Aureus mit Divus Augustus Lugdunum 14-16 (RIC 23)

Ein unter Tiberius zwischen 14 und 16 uZ geprägter Aureus, der den gerade verstorbenen Augustus mit Cäsars Stern zeigt und den ungeliebten Vorgänger als “Sohn des Göttlichen” bezeichnet. (Bildquelle: vergl. RIC 23).

Ein Himmelsereignis, das diese Göttlichkeit bestätigen hätte können, fand nicht statt. Angesichts der Bedeutung des Augustus auch nach seinem Tod wäre diese in aller Breite von den Chronisten erfasst und überliefert worden. Allerdings erschien vor dem Senat ein Augenzeuge, der in allen Einzelheiten die Himmelfahrt des Augustus beschreiben konnte und so der Divinisierung auch juristisch den Weg bahnte.

Anders ausgedrückt: Die Sterndarstellungen auf Münzen des Tiberius hatten - im Gegensatz zu 44 vuZ - keinen astronomischen Hintergrund. Aus dem Sidus Iulium war mittlerweile ein allgemein gültiges Symbol für Göttlichkeit geworden.

Der bereits in römischer Zeit verschrieene Tiberius-Nachfolger Gaius griff zunächst nach der Kaiserkrone und später auch nach der eigenen Göttlichkeit. Zeitgenossen und der Geschichte besser bekannt als Caligula („Stiefelchen“) regierte er nur kurz, aber zwischen 37 und 41 uZ entstanden Prägeserien, die diesen Anspruch untermauerten. Auch hier ist es wichtig anzumerken, dass zu Caligulas' Regierungszeit kein überliefertes astronomisches Ereignis bekannt ist, welches die Divinisierung des (noch) lebenden Herrschers in den Augen der Römer hätte nachvollziehbar erscheinen lassen. Mit Caligulas Anspruch auf die eigene Göttlichkeit stellte er sich in eine Linie mit Divus Iulius und Divus Augustus. Um dies zu untermauern verwendete er das „neue“ Bildchiffre des Sterns. Freilich war die Herrschaft des Caligulas weder in Länge noch Bedeutung vergleichbar mit jener des Augustus. Aber der Rückgriff ist unübersehbar, was auch mit der Tatsache zu tun hatte, dass Caligula weniger Berührungsprobleme mit Augustus hatte, als dessen direkter Nachfolger Tiberius.

Zwischen 37 und 41 in Lugdunum (Lyon) entstand dieser Denar des Caligula. Mit dem zweiten Stern könnte der als größenwahnsinnig geltene Kaiser auf seine eigene Göttlichkeit hingewiesen haben (Bildquelle: BMCRE 4)

Caligula Denarius Divus Augustus Lugdunum 37-41 (BMCRE 4)

Der Rückgriff der Propaganda auf die scheinbar so sorgenfreie Zeit der Pax Romana des Augustus findet in der Folgezeit immer intensiver statt, wie tiefer das Imperium in die Krise geriet. Zunächst zierte der Stern nur eine divinisierte Person, aber bereits im zweiten Jahrhundert finden sich der Stern zunehmend auf dem Revers mit einer Personifikation, die das Regierungsprogramm des Herrschers widerspiegelt. Seien es Commodus-Nachfolger Pertinax, der 193 mit Providentia eine „vorausschauende Fürsorge“ versprach, Kaiser Aurelian, der als „Restitutor“ das bereits bröckelnde Reich zu neuer Blüte führen wollte oder der bereits christliche Kaiser Vetranio, der noch 350 die Einheit der Armee beschwor, sie alle ließen durch den Stern die Göttlichkeit ihrer Mission und Verbundenheit mit dem augusteischen Friedensreich untermauern.

Elagabal, opfernd, stadtröm 221 uZ (RIC 46, Münzen-Ritter)_cr
Aurelianus Serdica 274 mit Victoria (Numismatik Lanz München 144)_cr

(links) Nur einige Beispiele für Münzen mit Sternen aus der Kaiserzeit: Elagabal, überstrahlt von einem Stern, bringt Opfer dar. Ein Denar von 221 uZ (Bildquelle: Münzen-Ritter, Katalog RIC 46).

Pertinax Denarius, Alexandria 193 Providentia (Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Auktion 115)

Die Providentia (Fürsorge) des Pertinax zuvor hielt nicht mal ein viertel Jahr. Als dieser Denar 193 in Alexandria geprägt wurde, waren seine ohnehin wenigen Tage als Kaiser bereits gezählt (Bildquelle: Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Auktion 115).

(links:) Erfolglos stämmte sich Aurelian gegen ein mächtiger werdendes Christentum und den Zusammenbruch des Imperiums. Dennoch überreicht Victoria ihm den Siegerkranz. Die aus Serdica (Sofia) stammende Münze entstand 274 uZ (Bildquelle: Numismatik Lanz München 144).

Vetranio 350 Siscia Legionär mit Standarten (Numismatik Lanz München 144)

Nur noch die Einheit der Soldaten ist es, die zusammen mit dem Stern Garant für das Fortbestehen eines Imperiums ist, das im 4. Jahrhundert nicht mehr als eine Abfolge von Militärdikaturen war. Als Vetranio 350 regierte, war er dem Militär auf Gedeih und Verderb ausgeliefert (Bildquelle: Numismatik Lanz München 144).

Als das Christentum im römischen Weltreich Bedeutung gewann, hielt sich der Stern also weiterhin. Bezeichnend ist hier eine Prägung der Kaiserin Helena, die im Jahr 325 den Stern mit einem Lorbeerkranz zeigt. Das nahezu identische Bildchiffre rund 130 Jahre später: Aelia Pulcheria, Gattin des Marcianus ist Prägeherrin, statt des Sternes erscheint nun das Kreuz in Bildmitte.

Konstantin I Theassalonica 321 Helena oder Kaisermutter (Fritz Rudolf Künker Auktion 67)

Konstantinische Prägung der Kaiserin Helena aus Thessaloniki (Bildquelle: Fritz Rudolf Künker Auktion 67).

Aelia Pulcheria Konstantinopel 414-453 Lorbeerkranz Kreuz (Numismatik Lanz München Auktion 100)

Der dominierende Stern ist dem  christlichen Kreuz gewichen, der Stern im Namenszug CONS für  Konstantinopel ist Bestandteil der Prägestätte (Bildquelle: Numismatik Lanz München Auktion 100).

Es muss in Erinnerung gerufen werden, dass auch in christlicher Zeit die Sterndarstellungen der römischen (augusteischen) Ikonographie folgen. Hier ein christliches Symbol, etwa den Stern von Bethlehem sehen zu wollen, wäre eine Fehlinterpretation.

Genau genommen war es umgekehrt. Die Sichtungsmeldung des Sternes von Bethlehem fällt in die Zeit des julisch/claudischen Herrscherhauses. Sie entstand nicht im luftleeren Raum und ihre Überlieferer waren Teil der römischen Welt.

Stern von Bethlehem, Holzstich nah Zeichnung Gustave Dore (PA)

In diesem Holzstich nach einer Zeichnung Gustave Dore wird der Zug der sog. Weisen aus dem Morgenland so dargestellt, wie ihn das Neue Testament überliefert. Doch orientalische Astrologen hatten in der römischen Welt einen denkbar schlechten Ruf.

Dieser neutestamentarische Stern hatte die gleiche Aussage wie das Sidus Iulium. Ein neuer und zudem göttlicher Herrscher ist gekommen, um ein Friedensreich zu proklamieren. Hier: Augustus, dort: Jesus Christus. Während jedoch der „cäsarische“ Stern astronomisch in seiner Existenz belegt werden kann, ist dies beim „Stern von Bethlehem“ trotz zahlreicher Bemühungen ungleich schwieriger und führte zu z.T. abenteuerlichen Erklärungsversuchen. Das Fehlen einer korrespondierenden Himmelsbeobachtung in den peinlich genauen chinesischen Himmelstafeln ist ein Indiz für die Nicht-Existenz. Auch die gerne in Planetarien auf der ganzen Welt um die Weihnachtszeit präsentierte „große Konjunktion“ wirft Fragen auf. Waren die „Heiligen Drei Könige“ des Neues Testamentes tatsächlich orientalische Schriftgelehrte und Astrologen, dann ist es unglaubwürdig, dass solchen Fachleuten der Unterschied zwischen einer berechenbaren Konjunktion und einem außergewöhnlichen Himmelsereignis entgangen sein soll.

Im Rom des 1. Jahrhunderts uZ waren orientalische Schriftgelehrte alles Mögliche, aber keineswegs die Garanten für Zuverlässigkeit oder gar Weisheit. Man sah in ihnen eher Gestalten, die sich mit dem Begriff „Quacksalber“ am ehesten umschreiben lassen. Zeitgenossen mit einem denkbar schlechten Ruf.

Wer auch immer die Geschichte des Sternes von Bethlehem in die Welt gesetzt haben mag, er war mit den Sichtgewohnheiten der Römer und der Herrscherpropaganda seiner Zeit wohl vertraut. Populär ausgedrückt: einen Erneuerer der Welt, egal ob nun römischer Kaiser oder orientalischer Messias, der ohne Himmelszeichen daher kam, hätte in der römischen Welt wohl keiner ernst genommen.

 

 

 

 

 

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