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Die BBC – Ende eines Mythos?

 

Dass man es im Vereinigten Königreich mit dem Pressekodex nicht allzu genau nimmt, ist hinreichend bekannt. Doch waren es bislang nur Zeitschriften vom Schlage der „Sun“ oder des „Daily Mirror“, die durch ungenaue Recherche, Halbwahrheiten und üble Nachrede von sich Reden machten.

Gegengewicht zu den Paparazzis war und ist die BBC. Mit ihren Inlandsprogrammen, dem vielsprachigen Auslandsdienst, nicht zuletzt dem World Service und dem TV-Dienst BBC-World ein Garant für objektive Berichterstattung, eine Institution, an der sich weltweit Print- und Funkmedien messen lassen müssen.

Seit dem Abend des 28.Januar scheint alles anders. Gavyn Davies, der Präsident des BBC-Rundfunkrates ging freiwillig und auch der Intendant der „altehrwürdigen BBC“, Greg Dyke, nahm seinen Hut. Konsequenz aus dem Bericht eines Untersuchungsausschusses, dem beinahe die Regierung Blair selbst zum Opfer gefallen wäre.

Doch beginnen wir die Geschichte am Anfang, wie es sich gehört:

In einem 4-minütigen Radiobeitrag hatte der BBC-Reporter Andrew Gilligan im Mai 2003 Zweifel an der Begründung von Premierminister Tony Blair angemeldet, weshalb ein Waffengang gegen den Irak notwendig wäre. Blairs Behauptung, der Irak Saddam Husseins sei fähig, „innerhalb von 45 Minuten“ Massenvernichtungswaffen einsatzfähig zu machen, sei weit überzogen und eine „unmittelbare Gefahr“ ginge von Bagdad auch nicht aus. Gilligan berichtete,der britische Geheimdienst hätte Blair gewarnt, doch dieser hätte aus politischen Gründen die irakische Bedrohung übertrieben.

Als Quelle wurde ein anonymer Waffenexperte benannt. Dass es sich dabei um den remontierten Wissenschaftler David Kelly handelte, kam jedoch schnell heraus. Gilligan selbst hatte seinen Namen einem Unterhaus-Abgeordneten zugespielt. Kelly schnitt sich darauf hin die Pulsadern auf und das Königreich hatte neben einem handfesten Skandal auch einen Untersuchungsausschuss. Zuvor hatte es bereits Kritik an der BBC gegeben, die offensichtlich Gilligans brisanten Beitrag nicht sorgfältig genug vor der Ausstrahlung geprüft hatte. Doch Ex-Intendant Dyke und auch sein Nachrichtenchef Richard Sambodrom ignorierten kritische Stimmen, wiesen ihre Angestellten gar an, „Druck von außen“ zu widerstehen. Doch die BBC wäre nicht die BBC, würde sie nicht auch ihre eigene Obrigkeit aufs Korn nehmen. In einer Panorama-Sendung des Fernsehens wurde Direktor Dyke beschuldigt „den heimischen Hof (i.e. die BBC) auf wackeliger Grundlage zu verwetten“.

Der Untersuchungsausschuss sollte sich sowohl mit der Irakpolitik der Regierung auseinander setzen, als auch mit den Umständen des Todes David Kellys. Der ehemalige Oberhaus-Richter Lord Hutton leitete ihn. Hutton bescheinigte dem Management „Defekte“ und dem Rundfunkrat selbst die „Vernachlässigung der Aufsichtspflicht“. Zuvor musste Reporter Gilligan einräumen, dass sein Vorwurf, Blair hätte absichtlich und wider besseren Wissens von der irakischen Gefahr geredet, völlig haltlos gewesen sei. Auch hätte ihn nicht „der Geheimdienst“ offiziell gewarnt, die Zweifel kamen lediglich von einigen wenigen und zudem unbedeutenden Mitarbeitern. Auch Blair wurde kritisiert. Hatte er doch wiederum ihm zugespielte Quellen über das tatsächliche Waffenarsenal des Iraks kritiklos übernommen.

Man könnte dies alles als „Betriebsunfall“ abtun, wäre da nicht, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern, der erbarmungslose Kampf zwischen öffentlich/rechtlichen bzw. staatlichen Medien und der privaten Konkurrenz. In Großbritannien namentlich das Medienimperium des gebürtigen Australiers Rupert Keith Murdoch (jetzt US-Bürger). Der „Mythos BBC“ war unangreifbar und musste keine Konkurrenz durch die Schmuddelprogramme und Boulevardblätter der Gegenseite befürchten. Jetzt muss man sich warm anziehen, denn 2006 wird die „BBC-Charta“ neu verhandelt. Darin werden über zehn Jahre hinweg die Rundfunkgebühren für die BBC und deren Abgrenzung zu den Kommerziellen festgelegt. Kurz nach Veröffentlichung des Hutton-Reports ließ Kultusministerin Tessa Jowell verlauten, dessen Inhalt werde bei der Neubewertung eine „Rolle spielen“, verwies aber darauf, an einer „starken und unabhängigen BBC“ festhalten zu wollen. Die konservative Opposition forderte, besagte Charta ganz fallen zu lassen. Der Sender sollte dem unabhängigen Gremium „OfCom radio licencing“ unterstellt werden, das bislang nur die privaten britischen Funk- und Fernsehkanäle überwacht.

Betrachtet man die Wirtschaftspolitik der Regierung Blair als Ganzes, so scheint die Kelly-Affäre nicht nur willkommener Anlass, um eine Festung des unabhängigen regierungskritischen Journalismus zu schleifen. Bereits unter Margaret Thatcher hatten die Angelsachsen damit begonnen, ihre öffentlichen Einrichtungen zu Gunsten kommerzieller Anbieter zu demontieren. Vor allem das Gesundheitswesen, aber Gleiches widerfuhr Bildungseinrichtungen, der Flugüberwachung und nicht zuletzt auch dem Schienenverkehr – mit tragischen Folgen für seine Sicherheit.

An der BBC war die „Eiserne Lady“ gescheitert, es wäre (und das nicht nur für die Freunde des internationalen Rundfunks) wünschenswert, wenn auch Tony Blair keinen Erfolg hätte. Immerhin haben die BBC-Redakteure getan, worauf man in der Downingstreet lange warten muss: einen Fehler zugeben...

(Rüdiger Heinrich)

 

 

 

 

 

 

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